Die Buchkultur der ungarischen Studenten im 18. Jahrhundert

Wichtig war Basel im 18. Jahrhundert für den Druck ungarischer Werke.
Bedeutend ist dabei die Entdeckung der Verlagsbedingungen der Károli-Bibel, die im 18. Jahrhundert viermal in Basel herausgegeben wurde, sowie einiger Flugblätter, die die Ungarische Nationalbibliographie bisher nicht gekannt hat.

Informationen zur Bibliotheksbenutzung der ungarländischen Studenten, die im 18. Jahrhundert in Basel waren, finden sich bei etwa sechzig von zweihundert Personen. Bei den meisten wissen wir nur, dass sie die berühmten und interessanten Sammlungen der Stadt besichtigten. Dies beweisen die Gästebücher der Universitätsbibliothek in Basel und des Museums der Familie Faesch. Diese Bücher enthalten leider keine Eintragungen über die konsultierten Bücher; in der Regel wurde nur festgehalten, wer, wann aus welchem Land dort gewesen war, wie z.B. Pál Bethlen oder Sámuel Tunyogi. Selten gaben die Besucher ihren Beruf an; so machte Antal Szeitz die Anmerkung, dass er in Vác als Philosophie-Lehrer arbeitete.
Bemerkenswerterweise hatten nicht nur männliche, sondern auch weibliche Besucher Zutritt zur Bibliothek, etwa Mária Nádasd oder die Gräfin Appony. Insgesamt haben wir vier ungarländische Eintragungen im Gästebuch der Familie Faesch und achtundzwanzig im Gästebuch der Universitätsbibliothek. Obwohl diese Sammlungen nur einmal in der Woche für zwei Stunden geöffnet waren, sind zwischen 1662 und 1822 insgesamt über 12 000 Besucher bekannt.

 

Das Interesse der ungarländischen Besucher für die Bibliothek scheint ein wenig zurückhaltend gewesen zu sein, wenn man in Betracht zieht, dass in den Jahren 1760-1770 in Basel ein Drittel der Studenten Hungarus oder Transylvanus war. Es kommt hinzu, dass von den Eintragungen nur vier ungarländische Studenten tatsächlich in Basel studierten; manche besuchten Basel erst nach Beendung ihrer Studienaufenthalte oder besichtigten die Sammlung als Teil ihrer Europareise. Die niedrige Anzahl der Eintragungen von ungarländischen Studenten in Basel kann daher rühren, dass der Zugang zur Universitätsbibliothek nur gegen Kaution oder mit einer Empfehlung vom Dekan gewährt wurde.
Einfacher konnten Studenten, die ein Stipendium erhalten hatten, die Alumneumsbibliothek benutzen. Der Besuch der Universitätsbibliothek kam nicht eigentlich einer Bibliotheksbenutzung gleich, sondern war eher ein Interesse an den besonderen und schönen Sammlungen, obwohl bei verschiedenen Besuchern eine Neigung zu Büchern erkennbar war. Dies bezeugt etwa Ferenc Pápai Páriz in seinem Tagebuch: er entdeckte im Faesch-Museum Bücher aus der Presse von Gutenberg.

Um an alle Dokumente der jeweiligen Bibliothek heran zu kommen, waren auch gute Kontakte notwendig. Sámuel Teleki pflegte mit dem Bibliothekar der Basler Universitätsbibliothek, Jakob Christoph Beck, gute Beziehungen. Ihm verdankte er, dass er oft einige Stunden in der Bibliothek verbringen konnte. Wahrscheinlich nutzte er diese Zeit auch zum Lesen. Auf diese Weise gelang es ihm ausserdem, nach seiner Heimkehr in Bern für sich die Chronik von János Thúróczi kopieren zu lassen.

Nur wenige ungarländische Studenten durften die Privatbibliotheken von Professoren aus Basel benutzen. Sámuel Teleki hatte offenbar, nach seinem Tagebuch zu schliessen, die Gelegenheit, in der Bibliothek von Professor Johann Rudolf Iselin in Basel zu arbeiten. József Fogarasi Pap konnte einige Jahre später in der Bibliothek von Jakob Christoph Beck frei studieren. Aufgrund Fogarasis Aussagen kann man sogar vermuten, dass Beck seine Privatsammlung mehreren Studenten zugänglich machte.

 

Die Bibliotheken erhielten von den Ungarn keine solch bedeutenden Spenden wie von den Professoren, aber sie versuchten doch, nach dem Studium ihre Dankbarkeit zu bezeugen. Ein bezeichnendes Beispiel dafür ist István Hatvani, der sein Buch mit dem Titel Thermae Varadienses nach Basel schickte. Noch grösser war das Geschenk der Herren Mihály Tzellek und István Dallos: Sie überliessen 1738 der Alumneumsbibliothek ihre eigenen Bücher. Bei besonderen Dienstleistungen – am häufigsten beim Erwerb eines Grades – hatten die Studenten bestimmte Summen in die Bibliothekskasse einzuzahlen. Ferenc Pápai Páriz etwa zahlte 1674 die vorgeschriebene Summe ein, als er seinen Doktortitel erhielt.

Um etwas über die Büchersammlungen zu erfahren, stehen folgende Quellen zur Verfügung: Bücherverzeichnisse, die während des Aufenthaltes entstanden sind, Korrespondenzen, Tagebücher, Possessoreneinträge sowie Abonnementslisten. Danach können die Büchersammlungen in zwei grössere Gruppen eingeteilt werden: Kauf und Spende.

Eine Möglichkeit war der Kauf bei Versteigerungen. Im Basler Alumneum (Erasmianum) fanden regelmässig Versteigerungen statt, und die Studenten versuchten, die zum Verkauf angebotenen Bücher so billig wie möglich zu erwerben. Wir wissen aus Besitzereinträgen und Briefen, dass György Maróthi mehrere seiner Bücher auf diese Weise erwarb. Ebenfalls sind konkrete Käufe bekannt: József Teleki kaufte Daniel Bernoullis Hydrodynamica für zwei rheinische Forint und vierzig Kreuzer beim Buchhändler Thurneysen in Basel. Auch eine Drittperson konnte für den Buchkauf beauftragt wurde: Maróthi bat seinen Mitstudenten István Dallos, der sich in Basel befand, das Geld an Jakob Christoph Beck zu übergeben, mit dem Beck das Lexicon Basiliensis für Maróthi kaufen könne. Auf ähnlichem Weg kamen mehrere in Basel gekaufte Bücher in die Bibliothek von Gedeon Ráday, nachdem Studenten, darunter Mihály Blasek, gemäss Rádays Weisungen Bücher gekauft hatten. In diesem Zusammenhang ist Johann Rudolf Imhof zu erwähnen, der in Basel nicht nur Werke in Ungarisch herausgab, sondern auch mit Büchern handelte. József Teleki etwa kaufte bei ihm mehrere Werke.

Die interessanteste Quelle für den Buchverkauf und -kauf ist die Abonnementsliste. Eine solche findet sich in Samuel Werenfels’ Werk Opuscula theologica, philosophica et philologica in der Basler Ausgabe von 1782. Im Vorspann werden 123 Abonnenten aufgezählt, darunter das reformierte Kollegium in Sárospatak. Dort wurden sie wahrscheinlich noch lange genutzt. Unter den Abonnenten sind weiterhin 22 Personen als Hungarus oder Transylvanus, die meisten als Theologiestudenten, verzeichnet. Einige ungarländische Personen bestellten gleich mehrere Exemplare, am meisten, nämlich zehn Stück, Sámuel Mindszenti. Auch Emanuel Merian, der Antistes aus Basel, bestellte zehn Exemplare, obwohl er in Rang und Vermögen über Mindszenti stand.

Wie wir schon gesehen haben, konnten ungarländische Studenten auch kostenlos Bücher bekommen. Heute würden wir sie als Belegexemplare bezeichnen, denn mehrfach schenkte ein Lehrer aus Basel sein eigenes Werk einem seiner Lieblingsstudenten. So übereignete Johann Rudolf Iselin 1734 György Maróthi eine gedruckte Ausgabe einer Disputation.

Nicht nur Besitzereinträge bezeugen die Beziehungen zwischen Lehrern und Studenten, sondern auch deren Korrespondenzen, in denen Diskussionen über Buchausgaben einen wichtigen Bestandteil ausmachen. Manchmal geht es um den Erwerb von Büchern, manchmal werden Lesarten der Bücher verhandelt. Nur ein Beispiel unter vielen sei genannt: Sámuel Teleki schreibt am 8. November 1760 an seinen Freund Jakob Christoph Beck, welche Bücher er sich schon gekauft hat und welche er noch zu kaufen wünscht.

All dies zeigt eindringlich, welche vielschichtigen Zusammenhänge zwischen der ungarischen und schweizerischen Kultur durch die Untersuchung der ungarischen Studenten an der Universität Basel entdeckt werden können.